Blaufelchen (Schwebnetze) Fangjahr 2019

Der Gesamtfelchenertrag (Blaufelchen, Gangfische, Sandfelchen) beträgt im Berichtsjahr 2019 54,6 Tonnen. Dies ist ein Rückgang von 57 Prozent gegenüber dem bereits sehr niedrigen Ertrages des Vorjahrs von 127,4 Tonnen. Es ist der schwächste Ertrag in der ganzen Berichtsreihe seit 1910, d.h. seit es am Bodensee eine Fangstatistik gibt. Der Felchenfang 2019 liegt bei nur 11 % des langjährigen Mittels von 490 Tonnen. Es ist das 8. Jahr in Folge, das unter dem langjährigen Mittel liegt. Das sehr schlechte Fangergebnis widerspiegelt sich im tiefen Ertragswert von nur noch 1,2 kg/ha.

Die in den Anrainerstaaten unterschiedlichen Verfahrensabläufe und Geschwindigkeiten bei der Umsetzung der Patentzahl-Reduktion brachten es mit sich, dass in den beiden Jahren 2018 und 2019 verschiedene Anrainerstaaten mit unterschiedlicher Anzahl Schwebnetze pro Berufsfischerpatent fischten. Ab 2018 fischten die Berufsfischer aus Österreich und der Schweiz, ab 2019 auch diejenigen aus Baden-Württemberg mit 5 Schwebnetzen, während es in Bayern weiterhin 4 Schwebnetze pro Patent waren. Als Folge der aktuellen Regelung, wonach bei Erreichen der Zielzahl der Anzahl Berufsfischerpatente pro Land ein zusätzliches 38 mm-Netz pro Patent von April bis August erlaubt ist, waren 2019 in der Schweiz, Vorarlberg und Baden-Württemberg mehr 38 mm-Netze im Einsatz gestanden als im Vorjahr. Der Fanganteil in den 38 mm-Netzen hat daher gegenüber den Vorjahren deutlich zugenommen (76 % gegenüber 59 % im Vorjahr).

Der monatliche Fangverlauf 2019 war absolut untypisch. Die höchsten Erträge wurden bereits im Winter/Frühling erzielt – also in der Jahreszeit, in der die Fische vom Laichgeschäft noch geschwächt und schlecht genährt sind und das Planktonwachstum noch nicht eingesetzt hat. Ab April sanken die Fänge dann trotz verstärktem Einsatz der 38 mm-Netze weiter. Eine Fangzunahme im Jahresverlauf fand nicht statt. Im Gegenteil: Die monatlichen Fänge verharren mit sinkender Tendenz, während der ganzen, normalerweise guten Sommer- und Herbstfangzeit auf sehr tiefem Niveau.

 

Im Rahmen des Monitorings wurden von den 3 Fangstationen (SG, BY, BW) mit Schwebnetzen der Maschenweiten von 20 bis 44 mm rund 1520 Blaufelchen gefangen, näher biometrisch untersucht und einer Altersbestimmung unterzogen.

 

Es lassen sich folgende Aussagen machen:

  • Im 44 mm-Netz werden kaum Fische gefangen und es sind wegen der geringen Stückzahl keine Aussagen möglich. Diese Netze werden deshalb inskünftig im Monitoring nicht mehr eingesetzt und im Bericht nicht mehr thematisiert.
  • Auch im 40 mm-Netz sind die Fänge gering und die Mindestprobegrössen von >10 Fisch/Monat werden vielfach ebenfalls nicht erreicht. Die Informationen sind deshalb lückenhaft.
  • In den von den Berufsfischern verwendeten Netzen von 40 und 38 mm sind die Altersklassen 3+, 4+ und 5+ sowie in kleinerem Umfang noch ältere Fische beteiligt. In der 2. Jahreshälfte nimmt der Anteil der Altersklasse 3+ auf Kosten der 5+ und älteren zu.
  • Die Alterszusammensetzung in den Netzen der Maschenweiten 36 und 32 mm ist weitgehend identisch mit derjenigen aus den 38 mm Netzen. 3+, 4+ und 5+ sind in etwa gleichen Teilen fangbestimmend, wobei im 32 mm Netz die Altersklasse 3+ deutlich stärker vertreten ist und den Fang in der 2. Jahreshälfte dominiert. Dies auf Kosten der 5+ und älterer Felchen, welche gegen Jahresende praktisch verschwinden und nur noch 5 % Fanganteil stellen.
  • In den Netzen mit 26 und 20 mm Maschenweite dominieren Anfang Jahr die Altersklassen 3+ und 4+. Ab Juli steigt der Anteil der Altersklasse 2+ sprunghaft an, gleichzeitig verschwinden die Felchen 4+ und älter. 1+-Fische sind in beiden Netzen nur in geringen Anteilen gefangen worden.
  • Tendenziell sind die Durchschnitts-Fanggewichte gegenüber dem Vorjahr wieder leicht gesunken.
  • Die Kohorte 2014 wurde im Berichtsjahr als 5+ befischt und gilt somit als weitgehend ausgefischt.
  • Mit 344.000 gefangen Individuen ist die Kohorte 2014 der schwächste Jahrgang seit mehr als 30 Jahren.

 

Im Gegensatz zu 2018 konnte 2019 wieder ein Laichfischfang durchgeführt werden. Dabei wurden 1439 Liter Felchenlaich in den Brutanlagen des Bodensee-Obersee aufgelegt (664,5 Liter Gangfischlaich, 774,5 Liter Blaufelchenlaich). Mit 1439 Litern gewonnenem Felchenlaich ist der Laichertrag 2019 zwar der tiefste Wert der letzten rund 50 Jahre. Trotzdem waren alle Beteiligten von dem 2019er-Ertrag nach den sehr ernüchternden Resultaten des Vorjahres, den sehr tiefen Felchenfängen im Verlauf des 2019 und der unbefriedigenden Versuchsfängen, positiv überrascht und zufrieden.

 

Blaufelchenbericht 2019