Pressemitteilung vom 30. Oktober 2019

UNGEWISSE ZUKUNFT FÜR POPULÄRE BODENSEE-FISCHART

Die Seeforelle gilt als Aushängeschild. Und sie stellt eine Erfolgsgeschichte dar: Nachdem sie praktisch aus dem Bodensee verschwunden war, haben sich ihre Bestände wieder erholt. Nun aber drohen neue Gefahren – unter anderem als Folge des Klimawandels. Darauf machen zwei Organisationen in einer Kampagne aufmerksam, die sie rechtzeitig zur Laichsaison des Fisches lancieren.

Bis zu 15 Kilogramm schwer und über einen Meter lang wird der majestätische Fisch. Die Seeforelle strotzt vor Kraft und von den Angelfischern wird sie gerne «Silberbarren» genannt. Die Bedeutung des Fisches geht weit über seine attraktive Erscheinung hinaus. Die Seeforelle gilt als «Flaggschiffart» für den Gewässerschutz am Bodensee und in seinen Zuflüssen. Die Ansprüche der Seeforelle an ihren Lebensraum sind nämlich weit grösser als jene der meisten anderen Fischarten. Seeforellen leben nur dort, wo die Wasserqualität gut ist, wo sie sich ungehindert zwischen See und Fluss bewegen können, wo sie zu geeigneten Laichplätzen aufsteigen können und wo die Lebensbedingungen für die Jungfische gut sind. «Die Seeforelle ist ein hervorragender Indikator für den Zustand der Gewässer, in denen sie lebt», erklärt Konrad Rühl von der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF).

Heute ist der Zustand des Bodensees und der meisten seiner Zuflüsse wieder so gut, dass sie der Seeforelle einen geeigneten Lebensraum bieten. Der in den 1980er Jahren beinahe ausgestorbene Fisch ist zurück – eine Erfolgsgeschichte!

Die IBKF startete zu Beginn der 1980er Jahre – sozusagen fünf vor zwölf – ein Seeforellen-Schutzprogramm. Schonbestimmungen wurden verschärft, Schongebiete eingerichtet, gezielter Laichfischfang durchgeführt und ein Aufzucht- und Besatzprogramm konzipiert und umgesetzt. Darüber hinaus setzten sich die IBKF und die Internationale Gewässerschutz¬kommission für den Bodensee (IGKB) gemeinsam für die Beseitigung von Wanderhindernissen ein – auf ganze Einzugsgebiete bezogen und über die Landesgrenzen hinweg. Entscheidend ist die gute Zusammenarbeit zwischen Behörden der Länder und Kantone sowie den Kraftwerksbetreibern. Zur Fortpflanzung müssen die Seeforellen im Spätherbst aus dem See zu ihren Laichplätzen in dessen Zuflüsse wandern. Doch aufgrund der zunehmenden Anzahl an Wehren und anderen Hindernissen im Längsverlauf der Gewässer, war dies immer schlechter möglich.

Künstliche Hindernisse beeinträchtigen Fischwanderung
Obwohl sich die Situation dank der vereinten Anstrengungen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat, ist sie für die Fischwanderung noch nicht ideal. Die Seeforellen können noch nicht alle ehemaligen Laichgebiete erreichen. Noch gibt es auf dem Weg dorthin und später wieder flussabwärts viele künstliche Hindernisse, die von den Seeforellen nicht oder nur eingeschränkt passiert werden können.
Es ist wichtig, auch die verbleibenden Hindernisse möglichst rasch zu sanieren, denn mit dem Klimawandel drohen zusätzliche Belastungen. Im Herbst 2018 hatten der tiefe Pegelstand im Bodensee und der sehr geringe Abfluss in den Zuflüssen zur Folge, dass die Seeforellen ihre Laichplätze nur noch erschwert erreichen konnten. Der Einstieg in die Zuflüsse war kaum noch möglich. Beim Kraftwerk Reichenau, wo im langjährigen Durchschnitt rund 800 Fische pro Jahr gezählt werden, die vom Bodensee nach Graubünden aufsteigen, registrierte man im vergangenen Jahr nur noch halb so viele. Wie sich die diesjährige Fischwanderung gestaltet, bleibt abzuwarten; die Wanderung der Seeforellen im Alpenrhein erreicht ihren Höhepunkt in der Regel gegen Ende Oktober.

Broschüre und Film über die Seeforelle
Es scheint, dass dem Aushängeschild der Bodenseefische neben traditionellen Schwierigkeiten auch neue Herausforderungen zu schaffen machen. Viele neue Arten sind in den See eingewandert und verändern dort das ökologische Gefüge. Auch der fortschreitende Klimawandel wirkt sich tendenziell negativ auf den Bestand der Seeforellen aus. Künftig werden sehr wahrscheinlich nicht nur längere Trockenphasen mit tiefem Wasserstand in den Zuflüssen, wie im Herbst 2018, häufiger – es werden auch die winterlichen Hochwasserereignisse zunehmen. Das kann fatale Folgen für die Seeforellen haben, da deren Gelege in den Kiesbänken der Flüsse durch Winterhochwässer zerstört werden können. Umso wichtiger ist die Anbindung der kleineren Seitengewässer, die von den Überflutungen weniger stark betroffen sind. «Wenn die Seeforelle intakte und vernetzte Lebensräume vorfindet, kann sie mit diesen neuen Herausforderungen besser umgehen», sagt Stephan Müller von der IGKB.

In einer Kampagne setzen sich IGKB und IBKF gemeinsam dafür ein, dass die Maßnahmen zum Schutz der Gewässer und der Fischerei auch künftig weiter vorangetrieben werden. «Geht es der Seeforelle gut, profitieren auch die übrigen Fischarten und Wasserlebewesen», betonen Stephan Müller und Konrad Rühl. Um die Bedeutung der Seeforelle einem breiteren Publikum bewusst zu machen, haben IGKB und IBKF einen Film und eine Broschüre veröffentlicht. Titel: «Die Bodensee-Seeforelle – Geschichte, Schutz und Zukunft einer geheimnisvollen Fischart»

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Pressemitteilung der IBKF vom 19. Juni 2019

Bodensee-Obersee: Berufsfischer haben weiter zu kämpfen

Das Fangjahr 2018 liegt mit einer Gesamtfangmenge von lediglich 263 Tonnen nur zwei Tonnen über dem historisch niedrigen Wert von 2015 und reiht sich somit in die zurückliegenden vier Jahre ein, welche durch eine Abfolge von historischen Niedrigerträgen gekennzeichnet waren. Mit nur noch 127 t Felchen wurden die wenigsten Felchen seit Beginn der Statistik im Jahr 1910 gefangen. 

Die Entwicklung der Fischbestände war das Schwerpunktthema auf der diesjährigen Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF), welche unter dem Vorsitz Baden-Württembergs am 19. Juni 2019 in Überlingen stattfand. Dramatisch ist insbesondere der starke Rückgang beim wichtigsten Wirtschaftsfisch, dem Felchen. 2018 wurden lediglich 127,4 t Felchen gefangen. Das ist ein Rückgang um 35% gegenüber dem schon sehr niedrigen Wert des Vorjahrs und der niedrigste seit Beginn der Statistikführung im Jahr 1910. Dieser Trend setzt sich leider auch in den ersten Monaten 2019 fort. Auch bei anderen für die Berufsfischerei wichtigen Fischarten wurden 2018 gegenüber dem Vorjahr starke Fangrückgänge verzeichnet: Weißfische inkl. Brachsen -14 %, Karpfen -30 %, Aal -37 %, Seeforelle -42 % und Trüsche -56 %. Einzig beim Barsch, am See auch Egli oder Kretzer genannt, wurde mit 70 Tonnen ein um 166 % über dem Vorjahresfang von 26,5 t liegender Ertrag erzielt. Der heiße Sommer 2018 begünstigte offensichtlich die Barsche. Durch diese vergleichsweise guten Barscherträge war es den Berufsfischern möglich, zumindest die Fangrückgänge beim Felchen und anderen Arten in einem geringen Umfang auszugleichen. Auch die Angelfischer konnten vom guten Barschbestand profitieren.

Auf dem Bodensee-Obersee waren 2018 nur noch 79 Berufsfischer tätig, dies ist ein Rückgang um 17 gegenüber dem Vorjahr. Der Strukturwandel setzt sich 2019 fort. Stand Februar sind nur noch 69 Hochseepatente vergeben.

Wanderfischarten Seeforelle und Nase im Fokus

Die bedenkliche Entwicklung der Wanderfischarten Seeforelle und Nase waren ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz. Die Bevollmächtigten setzten sich intensiv mit aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen zur Bestandsentwicklung und vereinbarten weitere Untersuchungen für den Schutz und zur Förderung dieser bedrohten Arten. Zentral sind dabei Maßnahmen zur Förderung des Lebensraums in den Zuflüssen.

Kormorane entnehmen ähnliche Fischmengen wie die Berufsfischer

Die Fischentnahmen der Kormorane aus dem Bodensee und den Zuflüssen werden auf mindestens 300 Tonnen jährlich beziffert. Die Vögel entnehmen demnach annähernd so viel Fisch aus dem See wie die Berufsfischerei. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Fangerträge, sondern auch auf die Bestandssituation bedrohter Fischarten. Die Bevollmächtigten fordern daher ein wirksames internationales Kormoranmanagement rund um den See.

Der sehr hohe Kormoranbestand ist neben dem niedrigen Nährstoffgehalt des Sees und dem weiterhin hohen Stichlingsaufkommen (Stichlinge sind direkte Nahrungskonkurrenten der Felchen und fressen auch Felcheneier und Felchenlarven) eine der Hauptursachen für den sehr niedrigen Fischbestand.

Sorge bereitet den Bevollmächtigten auch die aus dem Schwarzmeergebiet stammende Quagga-Muschel, die sich seit zwei Jahren im gesamten See explosionsartig ausbreitet. Durch ihre Filtrationstätigkeit reduziert sie die Planktonverfügbarkeit im See und damit die Nahrungsgrundlage der Fische.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ist es erklärtes Ziel der IBKF einen artenreichen Fischbestand im Bodensee zu erhalten und nachhaltig zu nutzen. Dafür ist die Zusammenarbeit aller Akteure am Bodensee erforderlich.

Pressemitteilung IBKF 2019

Überlingen, 19. Juni 2019