Home

Genetische Untersuchungen zur Diversität von Seeforellen im Bodensee-Obersee

Im Rahmen des Interreg IV Projektes wurden 351 Seeforellen aus den Zuflüssen Rotach, Argen, Leiblach, Bregenzerach, Alpenrhein, Goldach und Steinach untersucht, welche im Rahmen der Laichfischerei gefangen wurden. Zusätzlich wurden 32 Seeforellen aus dem Elternstamm Romanshorn, 31 Bachforellen vom Elternstamm aus der Simmi, 39 Bachforellen vom Elternstamm aus dem Liechtensteiner Binnenkanal und 22 Bachforellen aus der Nafla untersucht. Die Populationsstruktur wurde durch die Analyse an 9 Mikrosatellitenloci untersucht. Die Herkunft der Seeforellen und die nacheiszeitliche Besiedlungsgeschichte des Bodensees wurde durch Sequenzanalysen der mtDNA untersucht, wobei Daten aus Voruntersuchungen (Masterarbeit an der Universität Konstanz) und aus der Literatur herangezogen wurden. Der Vergleich zwischen den Seeforellen, welche in die verschiedenen Zuflüsse aufsteigen, zeigte eine eindeutige Strukturierung. Die Zuflüsse Rotach, Alpenrhein, Goldach und Steinach wiesen jeweils eine spezifische Seeforellenpopulation auf, die sich genetisch eindeutig von jenen der anderen untersuchten Zuflüsse (außer Argen siehe unten) unterschieden. Seeforellen aus den beiden Zuflüssen Leiblach und Bregenzerach dagegen unterschieden sich genetisch nicht voneinander und gehören demnach zu einer einheitlichen Population. Diese Population unterschied sich allerdings von allen anderen aus den oben genannten Zuflüssen und ist demnach auch als eigenständige Seeforellenpopulation anzusehen. Der Probenumfang aus der Argen war mit 12 Seeforellen zu gering, um verlässliche Aussagen treffen zu können. Es wurden jedenfalls viele genetische Übereinstimmungen mit verschiedenen anderen Zuflüssen gefunden. Die Seeforellen aus den Zuflüssen der Deutsch/Österreichischen Seite (Rotach, Leiblach und Bregenzerach) wiesen genetisch eine größere Ähnlichkeit zueinander auf, als zu den Seeforellen aus den Schweizer Zuflüssen (Goldach und Steinach). Die Gründertiere des Seeforellen-Elternstamms Romanshorn unterschieden sich genetisch deutlich von den Seeforellen aller untersuchten Zuflüsse. Ob sie als eigene Population anzusehen sind oder ob die genetische Struktur auf einen Zuchteffekt zurückzuführen ist, muss mangels aktueller Daten aus den Besatzgewässern momentan offen bleiben. Die Bachforellen aus den Alpenrhein-Zuflüssen Liechtensteiner Binnenkanal, Simmi und Nafla waren genetisch sehr verschieden von den Seeforellen aus dem Alpenrhein, zudem unterschieden sie sich auch untereinander stark. Somit müssen die Bachforellen in den drei Zuflüssen als genetisch unterschiedliche und auch von den Seeforellen unterschiedliche Populationen angesehen werden. Die Analyse der mtDNA ergab, dass die Seeforellen des Bodensees vorwiegend Atlantische Haplotypen aufwiesen, es wurden aber auch drei Individuen mit Danubischen bzw. einem Marmoratus Haplotyp gefunden. Das könnte darauf hindeuten, dass die Seeforellen nach der letzten Eiszeit den Bodensee aus zwei verschiedenen Rückzugsgebieten besiedelt haben und im Bodensee in Sekundärkontakt gekommen sind. Dieser Umstand ist auch für eine Reihe anderer Fischarten im Bodensee nachgewiesen worden. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass die Danubischen Haplotypen aus dem Besatz mit Seeforellen mit zum Teil unbekannter Herkunft stammen, der nach dem Zusammenbruch der Seeforellenpopulation Ende der 1980 er Jahre in großem Umfang erfolgte. Hier müssten vertiefte Nachforschungen betrieben werden, um die Quellen der Besatzfische so genau wie möglich nachvollziehen zu können. Es wurden im Zuge der Analysen weitere eindeutige Spuren dieser Besatzgeschichte gefunden. Etliche Seeforellen hatten einen für Dänisch/Norwegische Zuchtlinien von Bachforellen typischen Haplotyp. Dieser kann nur auf dem Weg über Hybridisierungen zwischen Seeforellen und aus diesen Zuchtlinien abstammenden Bachforellen in die Seeforellenpopulation gelangt sein. Wie und wann dies geschehen ist, kann allerdings nicht nachvollzogen werden.