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Hydroakustische Untersuchung der Horizontal- und Vertikalverteilung pelagischer Felchen im Bodensee-Obersee

Zusammenfassung uns Ausblick

Die horizontalen Verteilungsmuster der pelagischen Fische von mehr als -50 dB Echostärke im Bodensee-Obersee unterschieden sich an neun Terminen von März 2009 bis März 2010 nicht wesentlich von den in früheren Untersuchungen gefundenen Mustern. Die Vertikalverteilung dagegen scheint sich zu größeren Tiefen verschoben zu haben und sich über einen größeren Bereich zu erstrecken, was sich aus den wenigen publizierten sowie nichtpublizierten Daten allerdings nicht eindeutig belegen lässt. Diese Hypothese wird aber gestützt durch die aktuellen Abschätzungen der Bestandsdichte, die auf einen vergleichsweise hohen Bestand hindeuten. Dieser dürfte, in Kombination mit dem ohnehin geringen Nahrungsangebot, zu starker intraspezifischer Konkurrenz um Nahrung führen, so dass sich die planktivoren Fische nach der Theorie der idealen freien Verteilung (ideal free distribution theory; Fretwell 1972) letztlich über einen größeren Tiefenbereich verteilen sollten, so wie es bereits von Thomas et al. (in print) aufgrund einer Analyse der Felchenfangtiefen während der letzten 50 Jahre diskutiert worden ist. Die TS-Verteilungen und ihre Änderungen in der Zeit lassen auf einen hohen Befischungsdruck schließen, da der Anteil von Echos mit mehr als -32 dB TS generell sehr gering war und auch während der Wachstumssaison nicht wesentlich zunahm. Der etwas höherer Anteil von starken Echos im Überlinger See im Vergleich zum Obersee im Juli 2009 könnte eine Erklärung für den ungewöhnlich guten Fangerfolg im Überlinger See sein, der nicht nur im Juli sondern über einen längeren Zeitraum beobachtet wurde. Die aktuelle Untersuchung hat bestätigt, dass für eine Abschätzung des Bestands an pelagischen Fischen im Bodensee die Monate November und März gut geeignet sind. Dabei sollte die Datenaufnahme nach Möglichkeit nicht unmittelbar nach einer Starkwindphase erfolgen, da die Verteilung der Fische dann ev. sehr ungleichmäßig sein kann, wie es z.B. im März 2010 der Fall war, was zu einer ungenaueren Schätzung der Bestandsgröße führen kann. Wenn mittelfristige Änderungen in der Horizontal- und Vertikalverteilung der Fische während der Wachstumssaison weiter verfolgt werden sollen, dann bieten sich Kampagnen im Juli und September an, die dann auch mit einem Längstransekt im Überlinger See kombiniert werden könnten, um die in dieser Untersuchung gefundenen Unterschiede im Größenspektrum der Fische zwischen den beiden Seeteilen zu überprüfen. Für weitere Untersuchungen mit dem auf FS Kormoran installierten Echolotsystem ist unbedingt anzuraten, eine an die verwendete Frequenz angepasste Beziehungen zur Umrechnung von Echostärke in Fischlänge aufzustellen. Weiterhin sollten Datenaufnahme und -auswertung in Zukunft ausschließlich nach den in diesem Projekt entwickelten Vorgaben durchgeführt werden, und es sollten auch alle bisher erhobenen Daten nochmals entsprechend analysiert werden. Auf diese Weise können frühere, aktuelle und zukünftig zu erhebende Daten am besten miteinander verglichen und Änderungen des Fischbestandes verfolgt werden. Die nach einer konsistenten Methode über einen längeren Zeitraum erhobenen hydroakustischen Daten könnten dann mit den Ergebnissen der kommerziellen Felchenfischerei sowie den Ergebnissen der regelmäßigen Versuchsfischereien verglichen werden, um so eine zeitnahe Abschätzung der Bestandssituation der pelagischen Felchen zu erreichen. Ein erster Vergleich zeigt (Abb. 9), dass eine gute Übereinstimmung zwischen hydroakustischen Daten und Fangerträgen zu bestehen scheint.