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Pilotstudie zur Wirtschaftlichkeit der Bodenseefischerei

Fragestellung:

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) will mit diesem Pilotprojekt abklären lassen, welche Einkommen sich aus Fang, Verarbeitung und Vermarktung von Fischen am Bodensee erzielen lassen und welche Arbeitsaufwände dazu erforderlich sind. Dann soll geprüft werden, welche Gesamteinkommen (inkl. Nebenerwerb) Fischereibetriebe erreichen können und ob diese für einen angemessenen Lebensunterhalt der Betriebsleiterfamilien ausreichend sind. Des Weiteren möchte das BAFU wissen, welchen Einfluss grössere Netzkontingente auf Einkommen und Arbeitsaufwand hätten. Zudem soll die Frage geklärt werden, welche Einkommenswirkung die baulichen Investitionen hätten, welche durch neue Vorschriften im Verarbeitungs- und Vermarktungsbereich erforderlich werden, aber noch zurückgestellt wurden.

Vorgehen: Anhand von Fallstudien wurde die wirtschaftliche Situation von 6 Berufsfischer-Familienunternehmen einer Analyse unterzogen. Dabei galt das besondere Augenmerk dem eigentlichen Fischereibetrieb. Dessen Wertschöpfungsstufen Fang, Verarbeitung und Vermarktung wurden betriebs- und arbeitswirtschaftlich erfasst und anhand von einigen Bilanz- und Erfolgskennzahlen verglichen und beurteilt. Zudem wurden mit ersten Teilmodellen die Möglichkeiten zur Simulation von Fischereibetrieben ausprobiert: Mit solchen Modellen liessen sich die Auswirkungen von Veränderungen bei der Zuteilung von Netzkontingenten (oder anderen für die Fischerei wirtschaftlich wichtigen Parametern) überprüfen.

Repräsentativität der Daten:

Die im Rahmen der Pilotstudie gemachte Datenerhebung ist zu klein und im Vergleich zu den Strukturen der Grundgesamtheit verzerrt, denn die Untersuchung wurde mit einer nicht zufälligen Auswahl von Betrieben gemacht, die in allen Wertschöpfungsstufen aktiv sind und vermutlich eher überdurchschnittlich wirtschaften. Trotzdem zeigten die Resultate der Pilotbetriebe grosse Unterschiede auf. Ausserdem ist die Studie auch im Hinblick auf den erfassten Zeitraum sehr eingeschränkt: Sie deckt nur ein Buchhaltungs- Jahr (2009) ab und kann damit auch hinsichtlich zeitlichen Einflüssen keinen Anspruch auf Repräsentativität erheben. Die gewonnen Erkenntnisse erlauben aber zumindest Trendaussagen zu den Kernfragen der Studie.

Beantwortung der Fragen des BAFU:

Die Fischereieinkommen der 6 Pilotbetriebe lagen im Jahr 2009 zwischen Fr. 25'400 und Fr. 71'500. Auch wenn die Berufsfischer neben dem Fischfang ihren ganzen Fangertrag verarbeiten und vermarkten, erreichen ihre mittleren Einkommen nicht die Höhe der durchschnittlichen Einkommen von Angestellten in anderen Wirtschaftssektoren, welche nach der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik bei rund Fr. 73'400 liegen. Im Mittel werden auf den 6 Pilotbetrieben von der Familie pro Jahr rund 2'700 Arbeitskraftstunden (Akh) für den Fischereibetrieb aufgewendet (ohne Nebenerwerb). Das entspricht etwa der 1.5-fachen Jahresarbeitsleistung eines Angestellten im Industrie- oder Dienstleistungssektor (1'932 Akh pro Jahr). Der Arbeitsverdienst pro Stunde liegt in der Fischerei mit Fr.17.18 /Akh deutlich hinter den vergleichbaren Einkommen anderer Branchen zurück (rund 38.00 Fr./Akh). Das Gesamteinkommen der Berufsfischer-Familienunternehmen lag gemäss Fallstudie zwischen Fr. 55'700 und Fr. 138'000. Dank beträchtlichem fischereiunabhängigem Nebenerwerb sowie Liegenschafts- und Kapitalerträgen erreichte das Gesamteinkommen im Mittel eine Höhe, welche die Deckung des Privatverbrauchs und zusätzlich die Bildung von Eigenkapital erlauben sollte. Betrachtet man jedoch die Fischereibetriebe alleine, so reicht das Einkommen aus der Fischerei bei keinem der 6 Pilotbetriebe zur Bedarfsdeckung aus – das Überleben der reinen Fischereibetriebe ist unter den aktuellen Voraussetzungen nicht gesichert. Die zusätzlichen Einkommensquellen und der zusätzliche Arbeitseinsatz sind deshalb für die Berufsfischerfamilien ein Muss. Grössere Netznutzungsrechte hätten eine positive Wirkung auf die Einkommen der Fischereibetriebe, ohne gleichzeitig den Arbeitsaufwand oder die Produktionskosten und den Investitionsbedarf in die Höhe zu treiben. Arbeitszeit und vorhandene Infrastrukturen könnten so wirtschaftlicher genutzt werden. Mit Investitionen zur Einhaltung neuer Vorschriften im Verarbeitungs- und Vermarktungsbereich kann die Wertschöpfung nicht erhöht werden. Es ist demzufolge mit jährlichen Einkommenseinbussen von ca. 7% des neu investierten Kapitals zu rechnen – d.h. die Einkommenssituation würde sich weiter verschlechtern.